UNSERE TISCHLEREI

United Colors of Melk

Unsere Tischlerei

project: Unsere Tischlerei | United Colors of Melk
type: public
location: Melk
time: 2025
renderings: HISM

project: Unsere Tischlerei | United Colors of Melk
type: public
location: Melk
time: 2025
renderings: HISM

Ein weißer Fleck auf der Landkarte ist Melk bei Weitem nicht. Das „Tor zur Wachau“ mit seinem weltberühmten Stift bekennt Farbe – und diese Farben könnten vielfältiger nicht sein. Ein Spaziergang durch die Altstadt zeigt sofort, was den Charme der Kleinstadt ausmacht: kein Einheitsgrau, sondern ein Kaleidoskop aus kleinteiligen Strukturen, Geschichten und Gesichtern.

Gute Mischung

Eine ähnliche Farbenfreude erwartet einen in der Tischlerei: Sie ist voll von engagierten Menschen, die den Bestand bereits heute mit Leben füllen. Das Ziel: diese facettenreiche Gemeinschaft erhalten und stärken. Hier wird nichts übermalt, sondern das, was bereits da ist, komplementiert. Bestehendes und Neues treten in den Dialog. Wie beim Arbeiten mit der Pipette: vorhandene Farben aufnehmen, neu zusammensetzen – so entsteht eine lebendige Komposition.

Der rote Faden: die neue Gasse

Derzeit wirkt das Areal unübersichtlich; selbst die Eingänge sind schwer zu finden. Eine neue intuitive Durchwegung und eine offene Erdgeschoßzone machen das Innere sichtbar und spürbar. Die Bühne zieht in die bestehende Lagerhalle um – damit wird die „neue Gasse“ frei. Sie wird zum belebten Herzstück des Quartiers: Kleinteilige Fassaden, vielfältige Nutzungen und ein menschlicher Maßstab geben dem Gelände Offenheit und Zugänglichkeit. Wie in der Altstadt wird hier wieder flaniert, eingekauft, gespielt, gearbeitet.

Auch im Obergeschoss setzt sich die Idee fort: ein Laubengang-Netzwerk schafft Wege, Begegnung und Austausch. Nachbarschaft wird so überall (er)lebbar. Der Gassenverkauf, der Werkstatteinblick, das Gespräch im Vorbeigehen: plötzlich wird das Quartier selbst zur Bühne des Alltags.

Rosige Aussichten: 
Nachverdichtung und Aufstockung

Die Weiterentwicklung des Areals geschieht Schritt für Schritt – organisch, punktgenau, ohne Brüche. Der Bestand darf bleiben, der Rest wird behutsam, rückbaubar und in Holzbauweise aufgefüllt.

Die schrittweise Weiterentwicklung des Areals wird nicht unterbrochen, sondern bewusst weitergeführt. Im spielfreien Sommer kann die bestehende Halle als neuer Saal ertüchtigt werden und im Bestand die Erdgeschosszone adaptiert werden. Anschließend funktioniert das bestehende Gebäude wieder für sich und im hinteren Bereich kann mit der Nachverdichtung begonnen werden. Je nach Bedarf können die Bestandsgebäude im Leichtbau aufgestockt werden und auf die Anforderungen flexibel reagiert werden. Denn nur ein wandelbares Gebäude ist ein langlebiges Gebäude. 

Die Aufstockung des Bestandes folgt der Farbgebung der Umgebung. Sie bedient sich aus dem üppigen Katalog der Nachbarschaft. So werden die Typologien der angrenzenden und weiteren Umgebung auf dem Gelände der Tischlerei weitergeführt. Auch die Materialien der Umgebung, die dort ihre Lebensdauer vollendet haben, bekommen in Form der Neubauten und Aufstockung ein neues Zuhause. Vertraute Gesichter in neuer Umgebung. Vergangenheit und Zukunft reichen sich hier, ähnlich wie die Menschen vor Ort, die Hand. Man lernt voneinander, erzählt alte Geschichten weiter und schreibt neue.

Goldene Mitte: Akzente setzen

Das verbindende Zentrum ist die neue Eingangssituation an der Abt-Karl-Straße. Hier wird das Gerüst zum neuen Highlight: Ursprünglich als temporäres Hilfsmittel in den Bauphasen gedacht, bleibt es als dauerhaftes, wandelbares Element bestehen. Es wird zur bespielbaren Intervention – ein Ort, an dem Pflanzen emporranken, Menschen verweilen, Banner Botschaften tragen und Tiere neue Nischen finden. Das Gerüst ist damit mehr als reine Struktur: Es wird zur offenen Bühne, die Wandel sichtbar macht und gleichzeitig neue Formen von Nutzung, Gemeinschaft und Natur ins Quartier bringt. Nicht nur das Gerüst ist wandelbar: auch die Halle, das neue Herzstück, ist multifunktional. Während Abends Veranstaltungen stattfinden, werden tagsüber Workshops abgehalten. Ein bunter Mix – wie die Umgebung.

Alles im grünen Bereich: Mikrokosmos Tischlerei

Der Mikrokosmos Tischlerei wird zur grünen Lunge des Quartiers. Ein grüner Teppich zieht sich von der Gasse über die Fassaden bis hinauf auf die Dächer – weitergeführt in Gemeinschafts- und Privatgärten. Die bislang versiegelten Flächen der Gastro-Gasse werden aufgebrochen und durch grüne Schollen aus Staudenbeeten und Gehölzen ersetzt. Schon während der Umbauphase sorgt eine temporäre Pop-up-Baumschule dafür, dass junge Bäume heranwachsen und später an Ort und Stelle eingesetzt werden können. Ein Klettergerüst mit Rankseilen eröffnet Lebensräume für Pflanzen, Insekten und Vögel – und macht die Tischlerei zu einem Experimentierfeld für Artenvielfalt. So entsteht ein Mikrokosmos, in dem nicht nur Menschen, sondern auch viele andere Lebewesen ihr Zuhause finden – und das Quartier buchstäblich aufblüht.

Material im Kreislauf: Bauen aus dem Bestand

Unser Klima verändert sich, so viel steht fest. Und unsere Tischlerei? Sie antwortet mit Umweltbewusstsein und denkt Materialien konsequent im Kreislauf. Was der neuen Gasse weichen muss, wird nicht entsorgt, sondern sorgfältig geharvested, sortiert und direkt auf dem Gelände zwischengelagert. Aus diesen Bauteilen entstehen die Nachverdichtung und Aufstockungen – sichtbar weitergeschriebene Geschichte, die Bestand und Neubau untrennbar verbindet. Auch aus der Umgebung werden Materialien einbezogen und im Sinne der United Colors of Melk neu kombiniert. So wird das Quartier selbst zum Materialdepot und zeigt, wie Kreislaufwirtschaft nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ästhetisch und identitätsstiftend sein kann.

Es wird bunt.

Dass Erfolg keine Einbahnstraße ist, hat schon Fritz Fürst gewusst. Getreu dem Gründungsmotto „Nur gemeinsam sind wir erfolgreich“ lassen wir die ehemalige Tischlerei in all Ihrer Vielfalt aufblühen.