Klimahalle spinelli

Die Nachbarschaftskathedrale

Klimahalle Spienlli

client: competition
location: Mannheim
time: 2025

ONCE UPON A TIME

Zwei Barracken der US-Armee, circa 30 km auseinander. Beide haben ihren Dienst erwiesen und sind nun im Ruhestand. Die Patrick Henry Siedlung bei Heidelberg wird zum Bauteilkatalog für unsere Klimahalle. Die Barracken dort werden sorgfältig in ihre Einzelteile zerlegt. Aus ihnen bauen wir die Klimahalle. Full Circle.

Ein neues Zentrum



Manchmal sind es gerade die übersehenen Ecken, an denen verborgenes Potenzial zum Vorschein kommt. Auf dem Spinelli-Areal in Mannheim ­– zwischen Parkhaus, einer Unterkunft für Geflüchteten, Neubaugebiet, gewachsener und wachsender Nachbarschaft – entsteht ein neuer Ort: Kein monumentales Bauwerk, dafür aber ein flexibles Gerüst aus Begegnung, Funktion und Vision. Wir nennen es: die Klimahalle Spinelli. Im Süden des Spinelli-Areals, auf einer bisher unscheinbaren Restfläche, entsteht eine Nachbarschafts-Kathedrale für Spinelli-Süd – ein neuer sozialer Ankerpunkt, der Nachbar:innen, Neuankömmlinge, Unternehmen und Vorbeifahrende zusammenbringt. 

Das Umfeld ist bunt und vielfältig: südlich kleinteilige Wohnstrukturen, nördlich Gewerbe und Neubauten, mittendrin Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen. Viele Welten treffen hier aufeinander – und genau das macht den Ort so spannend.

Das Projekt gliedert die Fläche in unterschiedliche kleinteilige Nutzungszonen: auf der östlichen Seite, zum Parkhaus hin, entsteht eine „Schnellspur“, ein durchlässiger Korridor für Fahrräder, Roller und schnelle Verbindungen. Aktuell hat das Areal wenig Zugänglichkeit. Ein neuer Fußgängersteg vom Parkhaus direkt in die Halle, soll für bessere Erreichbarkeit und einen direkten Anschluss sorgen. Im Westen, zur Unterkunft für Geflüchtete hin, wird ein bestehender Zaun abgetragen. Hier entsteht der Klimagarten: ein begrünter, ruhiger Begegnungsraum. Die Halle wird bewusst so gestaltet, dass sie die Durchwegung zwischen Nord und Süd ermöglicht: vom Wohn- und Industriegebiet im Norden bis zur Straße Wingertsbuckel im Süden und der südlich gelegenen kleinteiligen Wohnbebauung.

Architektonisches Konzept – Zonierung, Vielfalt und Offenheit



Das Herzstück bildet ein großes, schützendes Dach – aus wiederverwendeten Dachstühlen aus der Patrick-Henry Siedlung gebaut. Es hält alles zusammen und bietet zugleich Raum für unterschiedliche Geschwindigkeiten und Aktivitäten. Das Dach schützt: Im Sommer vor steigenden Temperaturen und direkter Sonneneinstrahlung und im Winter vor Wind, Nässe und Kälte. Somit entfaltet sich darunter ein öffentlicher Platz, der ganzjährig funktioniert. 

 Das Plateau hebt den Bau leicht über Bodenniveau an (0,5 m) – so bleibt der Boden unversehrt, und eine neue Ordnung entseht: unten die Schnellspur, in der Mitte der öffentliche Platz und in der Höhe Büroflächen und Ateliers.

Der öffentliche Platz: ein lebendiger Ort mit dem Flair einer Markthalle. Unterschiedlich zoniert, aber stets verbunden. Hier findet sich z.B. Platz für eine Fahrradwerkstatt, ein Yogastudio, Gemeinschaftsräume zum Mieten, eine Bäckerei, kleine Büros und Ateliers, sowie ein Mobilitätshub. Die Halle selbst ist als modularer, fragmentierter Bau angelegt. Die einzelnen Boxen sind so flexibel, dass sie sich problemlos an wandelnde Anforderungen anpassen. Durch das einfache Aufstellen oder Entfernen von Wandelementen entsteht maximale Nutzungsoffenheit. Es entsteht ein Wechselspiel aus wetternahem Plateau und wärmenden Kuben. Mit sorgsam platzierten Regengärten wird der Niederschlag sinnvoll genutzt und das Plateau ausreichend belichtet – Versickerung inklusive. So entsteht ein System, das kreislauffähig ist.

Material & Bauweise – Reuse, Low Tech und Zero CO²

Die Struktur des Dachs erlaubt einen parallelen Bauprozess: Während an einer Stelle bereits Pavillons unter dem Dach ausgebaut werden, können an anderer Stelle „geerntete“ Materialien gelagert und vorbereitet werden. So entstehen zeitlich und räumlich überlappende Prozesse. Es wird minimal-invasiv gebaut, ohne Fundamentgräben, ohne CO² Austoß. Das Gebäude besteht im Idealfall zu 50% aus Reuse Materialien, die aus einem Umkreis von 50-100 km geharvested werden, und zu 50% aus biobasierten, nachwachsenden Baustoffen – je nachdem, was die Umgebung hergibt. Die Patrick-Henry Siedlung ist eine der urbanen Mienen, aus der wir ernten. Unter anderem bekommen der Dachstuhl, sämtliche Fenster, Stahlkonstruktionen, Glasbausteine und dergleichen die Chance auf einen erweiterten Lebenszyklus. Generell gilt: das Angebot bestimmt den Entwurf. Und jener Entwurf ist in diesem Fall eine Handlungsanleitung, eine Art Design Manual, das im Gegensatz zum klassisch linearen Bauprozess, agil und flexibel auf Veränderungen eingehen kann. Am Ende des Tages wird dadurch eine Sicherheit für den Bauherren gewährleistet und es entsteht ein Gebäude das zu 100% sortenrein und somit zu 100% kreislauffähig und rückbaubar ist. Sollte die Klimahalle also irgendwann das Ende ihres Lebensyzklus erreicht haben, kann sie in ihre Einzelteile zerlegt werden und es ist so, als wäre dort nie ein Gebäude gestanden.

Eine Einladung an Alle


Die Klimahalle Spinelli ist kein abgeschlossenes Gebäude, sondern ein offenes Angebot. Sie ist Bühne, Werkstatt, Garten, Treffpunkt und Zwischenraum in einem. Sie denkt Stadt neu – als etwas, das sich verändern darf, das wächst, was nutzt, was schon da ist, und das allen gehört.

Ein Haus für die Nachbarschaft, für die Zukunft – alles unter einem Dach.